Nimm Christus mit — wohin auch immer du reist

Die Ferien kommen— und mit ihnen eine kostbare Frage: Wie gestalten wir diese Zeit so, dass sie uns nicht nur erholt, sondern auch innerlich wachsen lässt?

 

Sommer bedeutet Aufatmen. Der Alltag mit seinen Verpflichtungen tritt zurück, und es entsteht Raum — Raum für Familie, für Stille, für Begegnung. Familien fahren ans Meer oder in die Berge. Kinder erleben die Welt mit anderen Augen: Abenteuer, Freiheit, Natur. Jugendliche reisen in Gruppen. Ältere Menschen suchen die Erholung oder besuchen Verwandte. Und manche von uns kehren einfach tiefer in sich selbst ein, als es der Alltag je erlaubt.

Dieser Raum ist ein Geschenk — und ein Geschenk trägt immer die Handschrift des Gebers. Der Sommer ist ein Geschenk Gottes. Empfangen wir ihn auch so.

 

Als ich einige Jahre in Pisa arbeitete, besuchte ich abends oft eine Kirche am Strand — in Forte dei Marmi. Bei schönem Wetter fand die Sonntagsmesse im weiten Innenhof eines Klosters statt. Dieser Hof fasste leicht 2.000 Menschen, und er war besetzt — mit Urlaubern, die gekommen waren: mit Eifer, mit Andacht, mit aufrichtigem Herzen. Woche für Woche, Sommer für Sommer.

Das hat mich tief bewegt: Menschen, die im Urlaub nicht aufhören, Christen zu sein. Im Gegenteil— ohne den Druck des Alltags schien der Glaube noch freier aufzuatmen.

 

Urlaub heißt nicht: „Pause von Gott. Es heißt: endlich Zeit für Gott.“

Ich erinnere ich mich gerne an meine letzten Jahresexerzitien. Sie führten mich nach Lourdes —in die Gegenwart der Gottesmutter. Es waren Tage der Stille, aber auch der tiefen Erschütterung: Wieviele junge Menschen, junge Familien, alte und kranke Menschen pilgern täglich dorthin!  Aus allen Nationen, aus allen Sprachen — und alle kommen sie mit demselben brennenden Glauben.

Lourdes sagt uns: Der Glaube ist nicht schwächer geworden. Er lebt — in Tausenden von Herzen weltweit. Das sei uns Ermutigung und Verpflichtung zugleich: Auch unser Glaube, auch unsere Gebete, auch unsere Sonntagspraxis sollen kein bisschen nachlassen.

 

Auch bei uns im Märkischen Sauerland ist der Sommer voller Leben. Unsere Stadt und die ganzeRegion bieten eine bunte Folge von Festen, die Menschen zusammenbringen — Familien, Nachbarn, Alt und Jung. Das ist kein Zufall: Gemeinschaft ist ein tief menschliches Bedürfnis — und ein Ort, an dem Gott wirkt.

All diese Feste haben etwas gemeinsam: Sie bringen Menschen zusammen. Die Schützenfeste, die Grillfeste, die Konzerte, die Straßenfeste — sie alle schaffen Momente echter Begegnung. Und genau da, in der echten menschlichen Begegnung, ist Christus mitten unter uns. Nicht trotz des Festes — sondern durch das Fest.

 

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gern an junge Männer, die vor zwei Jahren auf einem Kreisjungschützenfest in Garbeck vor ihrem Schießwettbewerb eindringlich darum baten, dass ich vorher mit ihnen bete. Junge Schützen, die nicht etwa Glück oder Zufall anriefen — sondern Gott. Das hat mich zutiefst berührt. Es zeigt: Auch mitten im Fest, im Wettkampf, in der Tradition lebt ein echtes, kindliches Vertrauen auf Gott. Genau das wünsche ich uns allen für diesen Sommer — dass wir, bevor wir ins Fest, in die Reise, in den Wettbewerb des Lebens ziehen, innehalten und beten.

Feiern Sie mit. Genießen Sie die Gemeinschaft. Und bringen Sie etwas mit — Ihre Freude, Ihre Offenheit, Ihr Herz. Teilen Sie diese Botschaft: Liebe, Freude und Christus gehören zum Sommer dazu. Denn jeder von uns ist ein unverzichtbarer, kostbarer Stein — der diese Gemeinde, diese Diözese aufbaut.

 

Unsere Erzdiözese steht vor einer schweren Entscheidung. Gerade in solchen Zeiten ist es unerlässlich, dass wir als betende, kirchlich engagierte und von Gottes Liebe erfüllte Menschen — reif genug, unser gutes Erbe in Christus zu bewahren — standhaft bleiben.

 

Vergessen wir nie, dass jeder von uns ein unverzichtbarer Teil dieser Diözese ist, ein kostbarer Stein, der diese Diözese aufbaut. Gerade jetzt zählt jeder einzelne Stein.

Kehren Sie erholt zurück. Kehren Sie gestärkt zurück. Und bringen Sie etwas mit — einen Funken des Glaubens, den Sie unterwegs erlebt haben. Teilen Sie ihn hier. Das ist Mission im Kleinen — und sie beginnt genau jetzt, in diesem Sommer.

 

Nehmt Christus mit — überall hin.

Liebe, Freude, Glaube — das sind die leichtesten Dinge, die man einpacken kann.

Und die wertvollsten, die man mitbringen kann.

 

Das wünsche ich Ihnen, Ihr Pater Pius Sabu O Carm.

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